Einer dieser Schritte führt nach Goldswil, einem kleinen Weiler östlich von Interlaken, der sich kaum verändert zu haben scheint. Die Kirche dort oben – eine der ältesten der Region – steht allein auf einem Hügel mit freiem Blick auf den Brienzersee. Kein Eintrittspreis, keine Menschenmassen, kein Souvenirladen. Nur das leise Läuten und das Licht, das am frühen Nachmittag golden durch die Berge fällt. Solche Momente gibt es in Interlaken noch – man muss sie sich aber erarbeiten.
Der Brienzersee ist generell das unterschätztere Gewässer der zwei Seen. Während der Thunersee mit Segelschiffen und Kursschiffen bespielt wird, wirkt der Brienzersee ruhiger, klarer und irgendwie ursprünglicher. Ein Mietkajak ab Brienz lohnt sich – besonders früh morgens, wenn der See noch im Nebel liegt und man das Gefühl hat, die einzige Person auf dem Wasser zu sein. Die Fahrt entlang der Uferstrasse mit dem Velo dauert gut eine Stunde und führt an alten Holzhäusern und kleinen Bootsstegen vorbei, die aussehen, als gehörten sie einer anderen Zeit.
In Interlaken selbst empfehlen wir das Quartier rund um die Unterseen – der ältere Ortsteil, der oft übersehen wird. Hier gibt es eine mittelalterliche Stadtkirche, verwinkelte Gassen und ein Café, das ohne Instagram-Filter auskommt. Wer möchte, kann dem Museum für Touristik einen Besuch abstatten: Es klingt trocken, ist aber überraschend berührend – eine ehrliche Geschichte darüber, wie die Schweiz zur Tourismusnation wurde, und was davon geblieben ist.
Ein letzter Tipp für alle, die etwas mehr Zeit mitbringen: Die Wanderung von Saxeten ins Tal zurück ist kaum in einem Reiseführer zu finden. Das Dorf Saxeten liegt oberhalb von Wilderswil und ist mit dem Postauto erreichbar. Der Weg zurück durch das Saxetbach-Tal führt durch Wald, an Wasserfällen vorbei und über Wiesen, auf denen im Sommer Kühe grasen. Keine Bergrestaurants, keine Schilder auf Englisch und Japanisch – nur du, der Weg und das Rauschen des Baches.